Erste-Hilfe spez. für Kanuten

Erste-Hilfe speziell für Kanuten

...denn auf dem Wasser "gelten andere Regeln", treten andere Gefahren auf, welche eben auch teils spezielles Wissen für eine effektive Hilfe erfordern.

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1. Hilfe Kurs mit Kanu

...ein kleiner Bericht eines Teilnehmers.

 

Nachdem ich hier und dort kritische Situationen miterleben musste, ja auch selbst in solche geraten war, entschied ich mich hier etwas tiefer einzusteigen, zu lernen wie man besser hilft, wie man (Not-)Situationen besser beurteilt.

Da ich die Selbstrettung mit Kajak/Canadier und Hilfe bei Rettung und Bergung (s.o.) mit dem Canadier bereits gelernt und geübt hatte (ein Dankeschön hier an Gerhard mit seinem jährl. Canadierkurs I) und mit aber unsicher war was ich in kritischeren Situationen (Personen in Gefahr oder verletzt) tun soll, mir nicht klar war was ich über meine Ersthelfer-Kenntnisse hinaus hier noch benötigen würde, hab ich mich nach einer kritischen Kenterung auf der Pegnitz diesen April (unter querliegendem Baum durchgespült worden) spontan noch abends entschlossen den mir empfohlenen "Erste-Hilfe-Kurs +Kanu" bei einer weitläufig bekannten Canadierschule zu besuchen.

Markus, der das auch berufllich gut brauchen kann, hat mich dann begleitet und wir haben Ende September 2016 an dem uns als "heftig anstrengend" prophezeiten Kurs teilgenommen.

Ich muß sagen es war tatsächlich sehr anstrengend, ich brachte auch viele blaue Flecken und einige schmerzende Gelenke mit heim. Aber es war auch sehr lehrreich!

Wir lernten natürlich das was man in jedem 1. Hilfe Kurs lernt, inkl. etwas Theorie (1 Std.) vorab. Den überwiegenden Teil führten wir aber sofort praktisch durch. Nach dem Prinzip "erklären - praktisch umsetzen - Korrektur und Feedback" begreift man ganz schnell was gemeint ist oder was man falsch verstanden hat. Man hat auch sofort ein Bild der Auswirkungen vor sich.

Am 1. Tag (am See) übten wir grundsätzliches wie Atemkontrolle, Wiederbelebung, Lagerung, ...aber auch was speziell bei Wasserunfällen auftritt und z.B. auch wie man versch. Rettungsmesser zum Aufschneiden von Kleidung einsetzt - z.B. tatsächlich einen Trockenanzug aufschneidet - inkl. des vorne querlaufenden fetten Reißverschlusses.

Danach (etwa ab Mittag) auch grundsätzliche Rettungstechniken vom Kanu aus, z.B. auf welche Arten man einen Bewußtlossen oder Handlungsunfähigen in einen Canadier bringt. Wir dachten ja nicht, daß ein 70kg-Mensch in einem Solocanadier stehend (!) einen mit 90kg +nasse Paddelkleidung aus dem Wasser ins Boot bringt - aber es geht! :o))
Das übten wir dann bis es am See recht gut klappte, bis jeder mal auf versch. Arten rausgezogen hat und rausgezogen wurde. (Ich finde wenn man beide Seiten kennt - also Opfer- u. Helferrolle - dann kann man besser an der Technik arbeiten.)

Am 2. Tag ging es dann auf den Fluß (Pegnitz/Regnitz) wo wir das vom Vortag nochmal in speziell konstruierten und plötzlich auftretenden Situationen anwenden konnten - nur diesmal mit Strömung, mal mit Ästen im Weg und was sonst so in der Natur auftritt.

Wir erfuhren auch noch viel Wissenwertes und erlernten einige Tricks und Kniffe die das Retten leichter machen können - wenn einem diese bewußt sind und man sie trainiert.

Wir übten das Retten vom Boot, schwimmend (angeleint), alleine und zu zweit, im Schlick stehend ...immer wieder mit so kleinen Komplikationen wie z.B. "atmet nicht!" oder "hat offensichtlich was im Hals / sich verschluckt", etc.

Das eindrucksvollste war als 5 Retter versuchten einen Bewußtlosen ("naß" wohl ca. 90kg) eine ca. 2m hohe Böschung (denke so 60° steil) mit Gras-/Buschbewuchs hoch zu hiefen. Das kostete uns alle verfügbare Kraft und wir waren froh als wir oben an die anderen Helfer übergeben konnten und diese die weitere Versorgung übernahmen. Erst danach erfuhren wir wie's einfacher geht ...und es wurde wohl jedem klar was diese erlernten Kniffe für entscheidente Vorteile mitbringen.

Ein Fazit aus dem Kurs: Man kann nicht immer und überall helfen ...manches geht einfach nicht oder man braucht weitere Helfer, manchmal besteht die Hilfe nur aus dem Wählen der 112 und anschließender Einweisung der professionellen Helfer hin zum Unfallort. Aber man kann auch viel tun ...und noch viel mehr, viel erfolgreicher wenn man um das WIE weiß und das auch schon mal live trainiert hat.

Wir überlegen den Kurs in 2017 und dann spätestens alle 2 Jahre zu wiederholen ...und geben eine klare Empfehlung zu diesem oder ähnlichen Kursen!

Text und Bilder: Martin Gesell